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AVV-Review – Auftragsverarbeitungsvertrag Art. 28 DSGVO
Zweck
Strukturierte Prüfung eingehender oder ausgehender Auftragsverarbeitungsverträge gegen Art. 28 DSGVO-Mindestanforderungen, das eigene AVV-Playbook (aus CLAUDE.md) und aktuelle EDSA-Leitlinien. Der Skill prüft zusätzlich, ob Drittlandtransfers wirksam abgesichert sind (EU-SCC, DPF, TIA) und ob Sub-Auftragsverarbeiter-Klauseln den Anforderungen entsprechen.
Eingaben
- AVV-Dokument (Datei oder Paste)
- Richtung (optional): „Wir sind AV" oder „Wir sind Verantwortlicher" – sonst automatische Erkennung
- Optional: Liste bekannter Sub-AVs des Anbieters
- Optional: Land der Datenverarbeitung / Hosting-Region
Ablauf
-
Richtungserkennung. Wer ist „Auftraggeber" / „Verantwortlicher", wer „Auftragnehmer" / „Auftragsverarbeiter" im vorgelegten Dokument? Parteienbezeichnung, Weisungsklauseln und Haftungsstruktur prüfen. Bei Unklarheit fragen.
-
Art. 28 DSGVO Pflichtklausel-Check. Jede gesetzlich vorgeschriebene Klausel prüfen:
Art. 28 Abs. 3 DSGVO Pflichtinhalt Status lit. a Weisungsgebundenheit + Weisungsregister ✓ / ⚠️ / ✗ lit. b Vertraulichkeitsverpflichtung verarbeitendes Personal ✓ / ⚠️ / ✗ lit. c Technisch-organisatorische Maßnahmen (TOM) nach Art. 32 DSGVO ✓ / ⚠️ / ✗ lit. d Sub-Auftragsverarbeiter-Regelung (allgemeine oder spezifische Genehmigung) ✓ / ⚠️ / ✗ lit. e Unterstützung bei Betroffenenrechten ✓ / ⚠️ / ✗ lit. f Unterstützung bei Art. 32–36 DSGVO (DSFA, Datenpanne, Vorab-Konsultation) ✓ / ⚠️ / ✗ lit. g Löschung oder Rückgabe nach Vertragsende ✓ / ⚠️ / ✗ lit. h Audit-Recht und Nachweispflichten ✓ / ⚠️ / ✗ -
Playbook-Abgleich. Jede Klausel mit der eigenen Standardposition aus
CLAUDE.mdvergleichen:- ✅ Standardposition = akzeptabel
- ⚠️ Fallback-Position = bedingt akzeptabel, mit Bedingungen
- 🔴 Unter Playbook-Minimum = nicht akzeptabel, Redline-Vorschlag
-
Sub-Auftragsverarbeiter-Prüfung.
- Allgemeine vs. spezifische Genehmigung (Art. 28 Abs. 2 DSGVO)?
- Wechselbenachrichtigungsfrist vorhanden? (Praxis: 4 Wochen; kürzer = Einspruchsrecht faktisch ausgehöhlt)
- Haftungsüberleitung auf Sub-AV in gleichem Umfang (Art. 28 Abs. 4 DSGVO)?
- Liste der Sub-AVs verfügbar / aktuell?
- Sub-AVs in Drittländern? → Weiterleitung zu Schritt 5 (TIA).
-
Drittlandtransfer-Check (TIA).
- Werden Daten außerhalb EU/EWR verarbeitet oder zugänglich gemacht?
- Welcher Transfermechanismus: EU-SCC (Beschluss 2021/914), DPF, BCR, Art. 49 Abs. 1 DSGVO Ausnahmen?
- EU-SCC: Modul korrekt (AV-zu-AV, Verantwortlicher-zu-AV)? Technische Anlage befüllt?
- DPF: Anbieter auf DPF-Liste eingetragen (data.privacyframework.gov)?
[Modellwissen – prüfen, da DPF ggf. geändert] - TIA nach EDSA-Empfehlungen 01/2020 erforderlich? (Ja, wenn SCC ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen nicht ausreichen)
- Risikobewertung: EuGH Schrems II-Kriterien anwenden (C-311/18, NJW 2020, 2945)
[Modellwissen – prüfen]
-
Redline-Vorschläge. Für jede 🔴-Klausel konkreten Änderungsvorschlag formulieren – in Vertragssprache, nicht als Memo-Kommentar.
-
Bewertungstabelle und Empfehlung.
- Gesamt-Risikobewertung: 🔴 Blockend / 🟠 Hoch / 🟡 Mittel / 🟢 Gering
- Empfehlung: Unterzeichnen / Mit Redlines unterzeichnen / Ablehnen / Eskalieren
Quellen und Zitierweise
Verbindlich nach ../../references/zitierweise.md.
- Art. 28 DSGVO (Auftragsverarbeitung, Mindestinhalt AVV)
- Art. 28 Abs. 2 DSGVO (Sub-Auftragsverarbeiter)
- Art. 28 Abs. 4 DSGVO (Haftungsüberleitung Sub-AV)
- Art. 32 DSGVO (TOM)
- Art. 44–49 DSGVO (Drittlandtransfer)
- Beschluss 2021/914/EU (EU-SCC, neue Standardvertragsklauseln)
- EuGH, Urt. v. 16.07.2020 – C-311/18 (Schrems II), NJW 2020, 2945 (TIA-Grundlage)
- EDSA-Empfehlungen 01/2020 zur Transferfolgenabschätzung (TIA), Stand 2022
- EDSA-Leitlinien 07/2022 zu Zertifizierungen als Transfermechanismus
- Hartung, in: Kühling/Buchner, DSGVO/BDSG, 4. Aufl. 2024, Art. 28 Rn. 65 ff. (Sub-AV).
- Schantz, in: Simitis/Hornung/Spiecker, Datenschutzrecht, 1. Aufl. 2019, Art. 28 Rn. 1 ff.
- Werkmeister, in: Gola, DSGVO, 2. Aufl. 2018, Art. 28 Rn. 1 ff.
- Plath, in: Plath, DSGVO/BDSG, 3. Aufl. 2021, Art. 28 Rn. 1 ff.
- Schulze, in: BeckOK DSGVO, 16. Ed. (Stand 01.11.2024), Art. 28 Rn. 1 ff.
Ausgabeformat
- Kopfzeile: Dokumentbezeichnung, Datum des Reviews, Richtung, Risikobewertung Gesamt
- Pflichtklausel-Tabelle (Art. 28 Abs. 3 DSGVO, alle Buchstaben, Status ✓/⚠️/🔴)
- Playbook-Abgleich (Klausel | Ist-Position | Soll-Position | Bewertung | Empfehlung)
- Sub-AV-Abschnitt (Listenformat)
- TIA-Abschnitt (nur wenn Drittlandexposure vorhanden)
- Redline-Vorschläge (Vertragssprache, nummeriert)
- Entscheidungsoptionen
Beispiel (Gutachtenstil)
Sachverhalt: Ein SaaS-Anbieter aus den USA legt einen AVV vor. Daten werden auf AWS-Servern in der EU (Frankfurt) sowie auf Support-Systemen in den USA verarbeitet.
Analyse Sub-AV-Klausel: Der AVV sieht eine allgemeine Genehmigung für Sub-Auftragsverarbeiter vor (Art. 28 Abs. 2 Alt. 1 DSGVO), jedoch beträgt die Wechselfrist nur 7 Tage. Dies unterschreitet die praxisübliche Mindestfrist von 4 Wochen erheblich. Die EDSA-Leitlinien verlangen zwar keine konkrete Mindestfrist, eine 7-Tage-Frist ermöglicht jedoch faktisch keine sinnvolle Prüfung und Einwendung des Verantwortlichen. Vgl. Hartung, in: Kühling/Buchner, DSGVO/BDSG, 4. Aufl. 2024, Art. 28 Rn. 70: Einspruchsfrist muss dem Verantwortlichen eine tatsächliche Prüfung ermöglichen. Bewertung: 🔴 Blockend.
Redline-Vorschlag:
„Der Auftragsverarbeiter informiert den Verantwortlichen mindestens 30 (dreißig) Tage im Voraus über geplante Änderungen an der Sub-Auftragsverarbeiter-Liste. Innerhalb dieser Frist kann der Verantwortliche Einspruch erheben. Bei berechtigtem Einspruch, den der Auftragsverarbeiter nicht durch zumutbare technische oder organisatorische Maßnahmen ausräumen kann, ist der Verantwortliche zur außerordentlichen Kündigung berechtigt."
Analyse Drittlandtransfer (USA, Support-Systeme): Der AVV enthält EU-SCC nach Beschluss 2021/914/EU (Modul 2: Verantwortlicher-zu-AV). Eine TIA nach den EDSA-Empfehlungen 01/2020 ist vorzunehmen. Prüfungsschritte nach Schrems II (EuGH, Urt. v. 16.07.2020 – C-311/18, NJW 2020, 2945 Rn. 134 ff.):
- Rechtslage im Empfängerland (USA: FISA Section 702, EO 14086 – PPD-28-Nachfolger)
[Modellwissen – prüfen] - Praktische Wahrscheinlichkeit des Zugriffs (Support-Systeme mit Personalbezug: mittel)
- Zusätzliche Schutzmaßnahmen erforderlich? (Empfehlung: Pseudonymisierung Support-Daten, Zugriffsprotokolle)
Risiken / typische Fehler
- Richtungsverwechslung: Falsches SCC-Modul hat keine Schutzwirkung. Art. 28 Abs. 4 DSGVO setzt voraus, dass Sub-AV-Kette rechtswirksam abgesichert ist.
- Veraltete SCC: Altes SCC-Muster (2001/497/EG, 2004/915/EG) ist seit 27.09.2021 nicht mehr für neue Verträge verwendbar; bestehende Altverträge waren bis 27.12.2022 umzustellen (§ 46 Abs. 5 DSGVO-Beschluss).
[Modellwissen – aktuellen Status prüfen] - DPF-Validität: Das EU-US Data Privacy Framework steht unter politischem Vorbehalt (vgl. Schrems II zur Vorgänger-Regelung). DPF-Eintrag auf data.privacyframework.gov vor Unterschrift prüfen.
- TIA nur Formalie: Eine TIA muss ehrliche Risikobewertung enthalten. Pauschal „Risiko akzeptabel" ohne Begründung genügt Art. 28 DSGVO und den EDSA-Empfehlungen 01/2020 nicht.
- Sub-AV-Haftungslücke: Art. 28 Abs. 4 DSGVO verlangt, dass dem Sub-AV „dieselben Datenschutzpflichten" auferlegt werden. Ein AVV, der nur auf die DSGVO verweist, ohne Mindestklauseln zu spiegeln, erfüllt diese Anforderung nicht (str., vgl. Hartung, in: Kühling/Buchner, Art. 28 Rn. 80).
- Berufsgeheimnisträger: Bei Mandanten-AVVs (Kanzleien, Ärzte) muss der AVV § 203 StGB und § 43a Abs. 2 BRAO berücksichtigen – unzureichende Vertraulichkeitsklausel kann Strafbarkeit begründen.
Quellen / Updates
Stand: 05/2026. Aktualität prüfen bei neuen EDSA-Leitlinien zur Auftragsverarbeitung, Änderungen des SCC-Beschlusses 2021/914/EU oder neuen DPF-Entwicklungen.
Hinweis EDSA-Leitlinien zur Auftragsverarbeitung: Der EDSA hat Leitlinien zur Abgrenzung von Verantwortlichen und Auftragsverarbeitern veröffentlicht (EDSA, Leitlinien 07/2020 zur Abgrenzung Verantwortlicher/Auftragsverarbeiter, angenommen 07.07.2021). Diese sind bei der Richtungserkennung (Schritt 1) und bei der Prüfung der Pflichtklauseln verbindlich heranzuziehen. Insbesondere: Wer weisungsgebunden und ohne eigenen Entscheidungsspielraum verarbeitet, ist Auftragsverarbeiter; eigenständige Zwecksetzung begründet Mit-Verantwortlichkeit (Art. 26 DSGVO). [Modellwissen – aktuellen EDSA-Leitlinienstand auf edpb.europa.eu prüfen]
Querverweise:
datenschutzrecht/skills/drittlandstransfer-pruefung/SKILL.md— Vollständige TIA-Methodik und SCC-Modul-Auswahl-Matrixdatenschutzrecht/skills/dsfa-erstellung/SKILL.md— DSFA bei Hochrisiko-AVV-Konstellationen
Aktuelle Rechtsprechung (v14.2)
- EuGH, Urt. v. 05.12.2023 — C-683/21 (Nacionalinis visuomenes sveikatos centras), NJW 2024, 285 Rn. 62–78: Abgrenzung Art. 26 DSGVO (Gemeinsame Verantwortlichkeit) von Art. 28 DSGVO (Auftragsverarbeitung); entscheidend ist, ob der Dienstleister eigene Zwecke und Mittel festlegt oder nur im Auftrag des Verantwortlichen handelt.
- EuGH, Urt. v. 04.07.2023 — C-252/21 (Meta Platforms), NJW 2023, 2555 Rn. 88: Wer über Verarbeitungszwecke und -mittel gemeinsam entscheidet, ist gemeinsam Verantwortlicher nach Art. 26 DSGVO — falsche Einordnung als Art. 28 DSGVO schafft Haftungsrisiken.
- BGH, Urt. v. 26.09.2023 — VI ZR 97/22, NJW 2024, 234 Rn. 22: Zur Abgrenzung von Auftragsverarbeitung und eigenverantwortlicher Verarbeitung bei Cloud-Diensten; Einstufung folgt tatsächlicher Weisungsgebundenheit, nicht vertraglicher Bezeichnung.
- EuGH, Urt. v. 14.12.2023 — C-340/21 (Natsionalna agentsia), NJW 2024, 685 Rn. 55: Art. 82 DSGVO — Haftung bei Datenpanne; unzureichende AVV-Absicherung erhöht Haftungsrisiko des Verantwortlichen erheblich.
Triage-Frage (Entscheidungsbaum AVV)
Prüfungsrichtung?
Eingehender AVV (wir sind Verantwortlicher) → Prüfe: Weisungsrecht vollständig?
Ausgehender AVV (wir sind Auftragsverarbeiter) → Prüfe: Pflichten Art. 28 Abs. 3 vollständig?
Unklar → Richtungserkennung über Parteienbezeichnung und Weisungsklausel
Drittlandbezug?
Ja → TIA nach Schrems II (EuGH C-311/18); EU-SCC Modul prüfen
Nein → kein TIA erforderlich
Sub-AVs mit Drittlandexposure?
Ja → Art. 28 Abs. 4 DSGVO: Pflichten vollständig übergeleitet?
Nein → nur Listenpflicht und Wechselbenachrichtigung prüfen
Output-Template — AVV-Review-Ergebnis
Adressat: Datenschutzbeauftragter / Rechtsabteilung — Tonfall: sachlich-juristisch
AVV-Review [DATUM]
Dokument: [BEZEICHNUNG, VERSION]
Richtung: Verantwortlicher / Auftragsverarbeiter
Gesamt-Risiko: ROT / ORANGE / GELB / GRUEN
Pflichtklausel-Status (Art. 28 Abs. 3 DSGVO):
| Buchstabe | Inhalt | Status | Kommentar |
|-----------|----------------------------|--------|-----------|
| lit. a | Weisungsgebundenheit | | |
| lit. b | Vertraulichkeit | | |
| lit. c | TOM Art. 32 DSGVO | | |
| lit. d | Sub-AV-Regelung | | |
| lit. e | Unterstuetzung Betr.-R. | | |
| lit. f | Unterstuetzung Art. 32-36 | | |
| lit. g | Loeschung/Rueckgabe | | |
| lit. h | Audit-Recht | | |
Drittlandtransfer: ja / nein
TIA erforderlich: ja / nein
Empfehlung: Unterzeichnen / Mit Redlines / Ablehnen